Geschichte der Schule
Unsere Schule blickt auf eine bewegte Geschichte zurück – geprägt von Pioniergeist, Zusammenhalt und stetiger Weiterentwicklung im Dienst für Kinder und Jugendliche mit Sehbeeinträchtigungen.
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Die LVR-Johannes-Kepler-Schule hat sich in mehr als einem halben Jahrhundert von einer kleinen, engagierten Unterrichtsgruppe zu einem modernen Förderzentrum für Sehen entwickelt.
Ihre Geschichte erzählt von mutigen Anfängen, stetigem Wachstum, lebendigen Schulgemeinschaften und dem festen Willen, jedem Kind die bestmögliche Unterstützung zu bieten.
Die Anfänge
Die Geschichte der heutigen LVR-Johannes-Kepler-Schule begann am 17. April 1966.
An diesem Tag nahm Sonderschullehrer Reinhold Oellers mit zwölf sehbehinderten Kindern aus der Stadt und dem Landkreis Aachen den Unterricht auf – in der katholischen Volksschule an der Ellerstraße.
Bereits im September 1967 zog die Klasse in die dritte Etage der katholischen Volksschule Reumontstraße um. Dort standen ein zehn Quadratmeter großer Klassenraum und ein kleiner Lehrmittelraum zur Verfügung. Im Oktober 1967 erhielt die Schule neue Möbel, Tischleuchten und drei Schreibmaschinen mit Plakatschrift – eine Spende des Fördervereins.
Am 1. August 1968 wurde die Einrichtung offiziell als "Städtische Sonderschule für Sehbehinderte Aachen" eröffnet. Vier Jahre später, am 1. Januar 1972, übernahm der Landschaftsverband Rheinland (LVR) die Trägerschaft. Die Schule erhielt den Namen "Rheinische Landesschule für Sehbehinderte" – ein wichtiger Schritt in ihrer Entwicklung.
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Wachstum und neue Perspektiven
Die Schüler*innenzahlen stiegen kontinuierlich: 1969/70 besuchten 38 Kinder die Schule, 1970/71 bereits 50 in vier Klassen mit sieben Lehrkräften. Die Leitung übernahm kommissarisch Josef Hahn, organisatorisch war die Schule an die Beginenstraße angebunden. Ab 1973 leitete Rektor Horst Hambücker die Schule, ihm zur Seite stand später Konrektor Milfeit.
Mitte der 1970er-Jahre lernten bereits 94 Schüler*innen in zehn Klassen. Klassenfahrten – etwa 1976 nach Waldeck – und zahlreiche Feste stärkten das Gemeinschaftsgefühl.
Ein Meilenstein folgte im Oktober 1979, als die Schule in ihr eigenes Gebäude im Schulzentrum Laurensberg einzog.
1981 besuchten bereits 100 Schüler*innen die Schule, unterrichtet von 18 Lehrkräften.
Die 1980er-Jahre waren geprägt von kulturellen und musikalischen Projekten. Beim Maifestival der Sonderschulen am Mai 1987 trat sogar Herbert Grönemeyer auf. Die Musikgruppe der Schule spielte Stücke aus der Rockoper Jesus Christ Superstar – laut Aachener Nachrichten eine "konzertreife Darbietung".
Engagement, Integration und Gemeinschaft
Am 27. April 1991 feierte die Schule ihr 25-jähriges Bestehen mit einem Festakt.
Im Laufe der 1990er-Jahre wuchs die Schule weiter und setzte neue Schwerpunkte:
Sie engagierte sich in Umweltprojekten und wurde im Januar 2000 für ihre Umwelt-Projektwoche mit dem Agendi-Preis des LVR für beispielhafte Beiträge zur "Lokalen Agenda 21" ausgezeichnet.
Auch die technische Ausstattung wurde kontinuierlich verbessert. Am 23. September 1994 besuchten Dr. Heinz Malangré, Präsident der Industrie- und Handelskammer Aachen, und Armin Laschet, Bundestagskandidat, die Schule. Sie informierten sich über einen mitfinanzierten Scanner, der Textübertragung und Schriftvergrößerung ermöglichte – ein bedeutender Fortschritt für sehbehinderte Schüler*innen.
Am 30. März 1996 startete die Schule gemeinsam mit dem Postsportverein Aachen ein Ju-Jutsu-Projekt zur Selbstverteidigung für sehbehinderte Schüler*innen. Im November 1996 erhielt sie durch die Aktion Sternstunden einen neuen Schulbus.
Nach dem Brand im Lehrerzimmer am 18. Januar 1997, bei dem glücklicherweise niemand verletzt wurde, konnte der Schulbetrieb rasch wieder aufgenommen werden.
Im Jahr 1998 startete unsere erste Gruppe der Vorschule – seitdem spielen und lernen sehbeeinträchtigte und blinde Vorschulkinder jeden Freitag zusammen.
Kooperation und neue Wege
Im April 2001 unterzeichneten Bernd Gentges (belgischer Minister für Unterricht und Ausbildung), Jürgen Roters (Kölner Regierungspräsident) und Anna Peters (Vorsitzende des LVR-Schulausschusses) eine Vereinbarung zur Betreuung sinnesgeschädigter Schüler*innen im Rahmen der Integration. Damit wurde die enge Zusammenarbeit mit Schulen in der Euregio Aachen–Eupen weiter gestärkt.
Im Schuljahr 2007/2008 begann die Schule mit einem offenen Ganztagsangebot (OGS) für seh- und hörgeschädigte Kinder. Zwei Jahre später, am 12. September 2009, erhielt die Schule ihren heutigen Namen: LVR-Johannes-Kepler-Schule.
Die Schule blieb auch kulturell aktiv: 2010 gewann eine Schülergruppe um Michael Scharf den 1. Preis beim Trickfilm-Wettbewerb mit dem Film "Jungle Love".
Im Schuljahr 2012/2013 erfolgte die Auflösung der Klassen. Fortan konzentrierten sich die Lehrkräfte auf die Frühförderung und das Gemeinsame Lernen an allgemeinen Schulen außerhalb des Schulhauses. Seit dem Jahr 2013 bietet die Sehüberprüfung diagnostische Unterstützung für alle Schüler*innen.
Kooperation mit der LVR-Louis-Braille-Schule
Ab 2014 arbeiteten die LVR-Johannes-Kepler-Schule und die LVR-Louis-Braille-Schule Düren noch enger zusammen. Gemeinsam entwickelten sie das "Kurshaus-Programm", ein Fortbildungsangebot für Lehrkräfte, Eltern und Schüler*innen rund um das Thema Sehen, Lernen und Fördern.
Gegenwart und Neubeginn
Ab dem Jahr 2017 leitete Armgard Gessert die Schule, Annette Runge ist seit 2018 Konrektorin. Im selben Jahr feierte die LVR-Johannes-Kepler-Schule ihr 50-jähriges Jubiläum – mit rund 220 Schüler*innen, vielen Gästen und Wegbegleiter*innen.
Ein besonderes Ereignis war die Wiedereröffnung des Schulhauses:
Nach 13 Jahren ausschließlich mobiler sonderpädagogischer Arbeit an allgemeinen Schulen und Kindertagesstätten zog im Schuljahr 2025/2026 erstmals wieder eine Klasse der Primarstufe in das Schulgebäude ein.
Damit begann ein neues Kapitel in der Geschichte der LVR-Johannes-Kepler-Schule – als lebendiger Lernort, der Tradition und Zukunft miteinander verbindet.
Seit diesem Schuljahr ist Annette Runge zudem als Schulleiterin tätig.